«Durchsicht»
Urs Heinrich
Kinderspital Zentralschweiz
Eingangsbereich
«Durchsicht» steht frei in der Eingangshalle des Kinderspitals: eine leicht geschwungene Wand aus Metallringen, menschenhoch und über vier Meter breit. Die Ringe sind in drei Reihen versetzt aufeinandergesetzt, wie Zellen in einer Wabe. In jedem Ring sitzen sieben Holzrondellen. Eine in der Mitte, sechs rundherum, auf feinen Speichen gehalten. Sie sind von Hand bemalt, in klaren, spielerischen Farben.
Die Skulptur ist ein Raster und zugleich ein Filter. Sie strukturiert die grosse Halle, ohne sie zu teilen: Wer davor steht, sieht durch die Ringe hindurch auf den Raum dahinter – durchbrochen, gerahmt, in Farbe getaucht. Der Blick bleibt frei, aber er wird gelenkt. Die leichte Krümmung gibt der Wand eine sanfte, fast einladende Geste. Und weil sie nicht höher ist als ein Mensch, begegnet man ihr auf Augenhöhe: kein Monument, sondern ein Gegenüber.
Auf den Rondellen stehen die Namen der Gönnerinnen und Gönner, die den Bau des Kinderspitals unterstützt haben. Das ist ungewöhnlich. Danktafeln hängen normalerweise an der Seite, schlicht, ruhig, leicht zu übersehen. Hier ist es anders: Der Dank steht mitten im Raum, dort, wo alle vorbeikommen. Die Rondellen lassen sich drehen. Wer will, kann sie berühren, spielen, bewegen und dabei die Namen lesen. Die Menschen, die dieses Haus möglich gemacht haben, werden Teil des Alltags der Kinder, für die sie es möglich gemacht haben. Das Geschenk ist im Wortsinn in den Händen derer, denen es gilt.
Die runde Form ist dabei Programm: Jeder Ring ist gleich gross, regelmässig angeordnet, keiner sticht heraus. Grössere und kleinere Beiträge stehen nebeneinander, ohne Rangfolge. Die Skulptur macht sichtbar, dass viele Menschen gemeinsam etwas ermöglicht haben. Und sie lädt dazu ein, sich zu fragen, wer diese Menschen sind. Aus einer Geste des Dankes wird ein Ort der Begegnung.
Der Name «Durchsicht» beschreibt, was die Skulptur tut: Sie schliesst nicht ab, sondern öffnet. Sie lässt den Blick durch. Auf den Raum dahinter und auf die Menschen, die dahinterstehen.