«Sternenraum»
Aline Brun, Christian Deuber
Kinderspital Zentralschweiz und Frauenklinik Luzern
EG
Die gesamte Decke dieses Raumes ist ein Himmel. Dunkelblau, das sich langsam in Violett löst. Dazwischen ein zartes Glühen. Jenes Licht, das nur in den wenigen Minuten zwischen Tag und Nacht am Himmel steht, wenn die Sonne gerade unter dem Horizont verschwunden ist oder ihn noch nicht erreicht hat. Vielleicht ist es der letzte Abschiedsgruss eines Sonnenuntergangs, vielleicht das erste Versprechen eines neuen Morgens. Das Bild entscheidet sich nicht. Es zeigt den Moment dazwischen. Jenen Augenblick, in dem der Himmel ganz still wird und alles möglich ist.
Die Vorlage für diesen Himmel ist ein Aquarell der Künstlerin und Textildesignerin Aline Brun. Aquarellfarbe eignet sich für diesen Moment wie kein anderes Medium: Die Pigmente fliessen ineinander, bilden weiche Übergänge ohne scharfe Grenzen und lassen das Licht des Papiers durch die Farbschichten hindurchscheinen. Was an der Decke leuchtet, ist nicht aufgetragene Helligkeit, sondern durchscheinende Transparenz. Ein Prinzip, das Brun aus der langen Tradition der Aquarellmalerei in die Dimension eines ganzen Raumes überträgt. Das Originalaquarell wurde für die Decke reproduziert.
Die Idee, einen Himmel an eine Decke zu malen, reicht weit zurück: Von den bemalten Gewölben romanischer Kirchen über die barocken Deckenmalereien bis zu den Wolkenhimmeln in Kinderzimmern des 19. Jahrhunderts haben Menschen immer wieder versucht, das Unendliche in einen geschlossenen Raum zu holen. Hier, im Kinderspital, geschieht es mit den leisesten Mitteln: Wasser, Farbe und ein einziger, stiller Moment am Himmel.
An der hinteren Wand setzt sich der Himmel fort und geht in eine Landschaft über: Die Farben der Tapete werden zu Flora, und das grüne Holzmöbel mit seiner Rückzugsnische bildet den Boden, auf dem diese Landschaft ruht. Vor dem Himmel hängt ein goldener Sternenschweif: eine geschwungene Vorhangstange, an der ein halbtransparenter Vorhang den Raum verkleinern, weicher machen und neue Räume im Raum schaffen kann.
Fünfzehn Lampen hängen an langen Pendeln von der Decke und leuchten wie Sterne am gemalten Himmel. An der Seitenwand schwebt «La Lune», eine grosse, runde Leuchte, die an den Mond erinnert. Das Lichtkonzept stammt vom Lichtdesigner Christian Deuber und lässt sich in Stimmung und Helligkeit an die Nutzung des Raumes anpassen.
Dieser Raum ist bewusst offen gestaltet: Ist der Vorhang an der grossen Wand geschlossen, wirkt er ruhig, zurückgenommen, geeignet für besinnliche Momente oder Gespräche unter Erwachsenen. Öffnet man ihn, erscheinen die Farben, die Sitzsäcke, die kleinen Hocker und der Raum verwandelt sich in einen Ort zum Spielen, Vorlesen, Zusammensein. Gegenüber, durch eine grosse Glasfront, blickt man auf den Innenhof der Frauenklinik mit seinen zwei grossen Bäumen. Ein Stück echte Natur, das den gemalten Himmel an der Decke ergänzt.
Der Sternenraum wurde ermöglicht durch die Stiftung Sternschnuppe und die Stiftung Zukunft Kinderspital Zentralschweiz.