Dachs
Samira Belorf
Kinderspital Zentralschweiz
Ambulatorium Hauptzugang Kinder | 2. OG | 19
Schau mal – wer kommt denn da aus dem Dickicht?
Auf der Wand siehst du gleich zwei Dachse, die sich an einem Erdhügel begegnen. Der eine hat es sich oben auf dem Hügel zwischen den dichten Sträuchern bequem gemacht und schaut aufmerksam nach unten – fast so, als würde er seinen Artgenossen erwarten. Solche Erdhügel sind typisch für Dachse: Sie schaufeln beim Bau ihrer unterirdischen Wohngänge die Erde nach aussen, und mit der Zeit wachsen daraus richtige Hügel direkt vor den Eingängen. Der zweite Dachs steht unten am Hügel, hat seine Schnauze gehoben und eine Vorderpfote leicht in der Luft – als wäre er gerade mitten im Schritt stehen geblieben. -Hat er gerade etwas gehört oder gerochen?
Dachse sind die grössten Verwandten der Marderfamilie in der Schweiz. Sie können fast einen Meter lang werden und über fünfzehn Kilogramm wiegen – etwa so schwer wie ein mitelgrosser Hund. Ihren auffälligen schwarz-weissen Streifen im Gesicht erkennt man auch im Dunkeln, denn Dachse sind vor allem in der Dämmerung und in der Nacht unterwegs. Trotz ihres gemütlichen Aussehens sind sie ziemlich schnell: Über kurze Distanzen schaffen sie bis zu dreissig Stundenkilometer – das ist etwa so schnell wie ein flotter Velofahrer auf gerader Strasse, schneller als der schnellste Mensch im Sprint und ungefähr so schnell wie ein E-Trotti, das mit voller Geschwindigkeit unterwegs ist.
Was Dachse essen? Eigentlich fast alles. Sie sind Allesfresser und mögen Regenwürmer, Käfer, Schnecken, Mäuse, Frösche, Wurzeln, Pilze und süsse Früchte. An einem einzigen Sommerabend kann ein Dachs hunderte Regenwürmer verspeisen – das sind seine absoluten Lieblingsspeisen.
Eine besondere Fähigkeit hat der Dachs: Er ist ein Architekt unter der Erde. Mit seinen kräftigen Krallen baut er unterirdische Wohngänge, die man Dachsbau oder Burg nennt. Manche Burgen werden so gross, dass sie sich über zwanzig Meter erstrecken und mehrere Eingänge, Schlafkammern und sogar eigene Toilettenkammern haben. Manchmal werden Dachsburgen über hundert Jahre lang benutzt – Generation um Generation, wie ein altes Familienhaus unter der Erde.
Im Kanton Luzern leben Dachse in fast allen Wäldern, an Waldrändern und manchmal sogar in stadtnahen Parks. Sehen wirst du sie selten – aber wenn du im Wald spazieren gehst und einen grossen Erdhaufen mit einem Loch entdeckst, könnte das der Eingang zu einem solchen Bau sein.
Aufgabe:
Und schau mal ganz genau – rechts auf der Wand entdeckst du noch einen Gast: Da hat sich ein kleines Tierchen im Bild versteckt. Findest du es? Was macht es da wohl? Vielleicht ist es auf Futtersuche bevor es wieder im Dickicht verschwindet.
Du hast Glück! Der Dachs auf dem Erdhügel lädt dich zum Abendessen in seinen Bau ein! Stelle dir vor, wie ihr gemeinsam durch seine Burg kriecht. Welche Räume gibt es? Wer wohnt sonst noch da? Wie sieht es darin aus? Und was serviert er dir zu essen?
Wenn du Lust hast, könntest du einen ganzen Dachsbau malen – mit all seinen unterirdischen Gängen, Schlafkammern, Vorratslagern und vielleicht sogar einem geheimen Hinterausgang. Ganz so, wie du ihn dir vorstellst.