Erdkröte
Rina Jost
Kinderspital Zentralschweiz
Ambulatorium Tagesklinik Kinder | 2. OG | 20
Schau mal – wer hockt denn da im Moos?
Auf der Wand entdeckst du gleich mehrere Erdkröten, die in einem Stück Schweizer Wald unterwegs sind. Eine sitzt links unter einem Pilz und schaut ruhig in die Welt, eine andere fällt mit ausgestreckten Beinen vom oberen Bildrand herunter – wie eine kleine Akrobatin im freien Sprung. Ganz rechts hockt eine dritte unter einem hohen Schirmpilz und beobachtet einen Weinschwärmer, der elegant durchs Bild fliegt. Der Weinschwärmer gehört zu unseren drei Hauptcharakteren und begleitet dich durch das ganze Haus. Mit bis zu fünfzig Stundenkilometern Fluggeschwindigkeit braucht er sich vor der lauernden Erdkröte ohnehin keine Sorgen zu machen.
Die Erdkröte ist das häufigste Krötentier der Schweiz. Sie lebt in Wäldern, Gärten und Feldern und ist vor allem in der Dämmerung und nachts unterwegs. Eine Besonderheit fällt erst beim genauen Hinschauen auf: Bei Erdkröten sind die Weibchen viel grösser als die Männchen – ein erwachsenes Weibchen kann bis zu dreizehn Zentimeter lang werden, ein Männchen bleibt bei sieben oder acht. Und während die Männchen im Frühling laute Paarungsrufe ausstossen, sind die Weibchen vollkommen stumm.
Wenn sich eine Erdkröte bedroht fühlt, weiss sie sich zu wehren: Aus winzigen Drüsen in ihrer Haut sondert sie ein bitter schmeckendes, leicht giftiges Sekret ab, so dass ein Fuchs oder ein Hund, der die Kröte fressen will, sie sofort wieder fallen lässt, sobald er sie ins Maul nimmt. Für uns Menschen ist dieses Sekret ungefährlich – trotzdem sollte man Kröten nie mit blossen Händen anfassen. Ihre dünne, feuchte Haut ist sehr empfindlich, und trockene Menschenhände können sie schnell verletzen.
Im Frühling unternehmen Erdkröten eine erstaunliche Reise: Sie wandern in der Nacht zurück zu dem Teich, in dem sie selber geschlüpft sind, um dort ihre Eier abzulegen. Die Männchen lassen sich dabei oft von den Weibchen die ganze Strecke huckepack tragen – manchmal über mehrere Kilometer! Diese „Krötenwanderung" findet jedes Jahr im März und April statt, und an vielen Strassen werden für sie eigens Krötenzäune und kleine Tunnel gebaut.
Der grosse Pilz auf der Wand heisst übrigens Schirmpilz oder Parasolpilz. Er kann mit seinem runden Hut bis zu dreissig Zentimeter breit werden – einer der eindrucksvollsten Pilze unserer Wälder. Sein Hut sieht tatsächlich aus wie ein kleiner Sonnenschirm.
Aufgabe:
Wie viele Erdkröten findest du auf der Wand? Und kannst du erraten, ob die grosse Kröte unter dem Blatt wohl ein Männchen oder ein Weibchen ist – nur an ihrer Grösse? Kannst du quaken wie eine Erdkröte? Probiere es aus! Würdest du lieber eine andere Kröte huckepack tragen oder dich tragen lassen?
Und welches weitere winzige Tier kannst du noch entdecken? Was macht es da wohl gerade?