Frauenmantel
Anja Wicki
Kinderspital Zentralschweiz
Frauenklinik Kinderwunschzentrum | 2. OG | 22
Der Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) gehört zu den Rosengewächsen und wächst auf Wiesen, Weiden und an Waldrändern in der ganzen Schweiz. Wegen seiner gefalteten, fächerförmigen Blätter ist er sofort zu erkennen. An kühlen Sommermorgen sammelt sich auf den Blattspitzen ein einzelner, glitzernder Tropfen reinen Pflanzenwassers. Mittelalterliche Alchemisten hielten diesen sogenannten „Marientau" für besonders rein und sammelten ihn für ihre Experimente. Auf diese Sammeltradition geht auch der lateinische Name Alchemilla zurück – „die kleine Alchemistin".
Den deutschen Namen „Frauenmantel" verdankt die Pflanze ihren Blättern: Sie sehen aus wie ein zart gefalteter Mantel, der sich um ein Zentrum legt.
In der Frauenheilkunde wird der Frauenmantel seit Jahrhunderten geschätzt. Tee aus seinen Blättern wird traditionell bei Menstruationsbeschwerden, in der Begleitung des Kinderwunschs und im Wochenbett eingesetzt. Wirksam sind dabei vor allem die enthaltenen Gerbstoffe und Flavonoide, die zusammenziehend und ausgleichend wirken. Wie alle Heilpflanzen ersetzt er keine medizinische Behandlung, sondern ergänzt sie auf sanfte Weise.
Im Hintergrund wiegen sich verschiedene Wiesengräser. Solche unverbauten Wiesen sind in der Schweiz selten geworden – aber wo es sie noch gibt, sind sie ein Paradies für Heilpflanzen, Insekten und Vögel.
Die Wandillustration, die Sie hier sehen, zeigt eine Pflanze, die seit Generationen mit Frauen in Verbindung gebracht wird.