Mauereidechse

Samira Belorf

Kinderspital Zentralschweiz

Notfall | EG | 3

Wer sonnt sich denn da?

Schau genau hin – auf den warmen Steinen liegen Eidechsen und geniessen die Sonne. Auf dem ersten Bild klettern zwei Eidechsen über flache, geschwungene Felsen: Links oben liegt eine schlanke Eidechse mit gepunktetem Muster auf dem Rücken und einem auffällig langen, geschwungenen Schwanz – sie streckt sich genüsslich über den Stein. Rechts daneben kriecht eine zweite Eidechse mit deutlich sichtbaren dunklen Flecken und Streifen an der Steinseite entlang – und schau genau hin: Ihr Schwanz endet abrupt und ist kürzer als normal. Das ist kein Unfall, sondern eine geniale Überlebensstrategie! Wenn ein Feind – zum Beispiel ein Vogel oder eine Katze – die Eidechse am Schwanz packt, kann sie ihn einfach abwerfen. Der abgeworfene Schwanz zappelt noch eine Weile weiter und lenkt den Angreifer ab, während die Eidechse flieht. Der Schwanz wächst danach wieder nach – allerdings meist etwas kürzer und in anderer Farbe oder Struktur, weil statt Knochen nur noch Knorpel nachwächst. Man kann also an einem nachgewachsenen Schwanz erkennen, dass die Eidechse schon einmal knapp davongekommen ist.

Beide Eidechsen haben die typischen Merkmale der Zauneidechse: kräftig gebaute Körper mit dunklen Flecken über den ganzen Rücken.

Auf dem zweiten Bild sieht man zwei Eidechsen in einer Jagdsituation: Eine sitzt oben auf einem grossen, markanten Felsen und schaut aufmerksam einem kleinen Schmetterling nach, der in der Luft flattert – sie scheint sich zum Sprung bereit zu machen. Die zweite Eidechse steht aufgerichtet am Fuss des Felsens und blickt ebenfalls nach oben. Eidechsen fressen nämlich nicht nur Insekten am Boden – bewegliche, fliegende Beute weckt sofort ihre Aufmerksamkeit.

Rund um die Felsen wächst ein ganzes kleines Ökosystem: Gräser, schmalblättrige Wildblumen, Doldenblüten und buschige Stauden. Auf dem ersten Bild ist oben auf dem rechten Felsen eine Raupe beim Fressen zu entdecken – auch sie hat hier genug Pflanzen zum Naschen gefunden. Und auf dem Boden zwischen Gras und Kieselsteinen wuseln Ameisen geschäftig hin und her. All diese kleinen Tiere – Schmetterlinge, Raupen, Ameisen, Käfer – sind genau das, was Eidechsen zum Fressen braucht.

All das zusammen – warme Steine, Sonne, Gräser, Insekten und kleine Pflanzen – nennt man ein Trockenbiotop. Solche Lebensräume findest du in der Zentralschweiz an sonnigen Hängen, alten Trockenmauern und Steinhaufen – vielleicht sogar ganz in der Nähe vom Vierwaldstättersee.

Wenn du draussen im Sommer an einer warmen Steinmauer vorbeikommst, bleib einen Moment stehen und schau genau hin. Mit etwas Glück entdeckst du eine Eidechse, die sich gerade aufwärmt – aber sei leise, denn beim kleinsten Geräusch ist sie blitzschnell verschwunden.

Aufgabe: 

Wie viele Eidechsen entdeckst du auf beiden Wänden? 

Schliesse deine Augen. Stell dir vor, du bist eine Mauereidechse auf einem warmen Stein. Wo ist ein sonniges Plätzchen, an dem du gerne liegst? Spürst du, wie die Sonnenstrahlen auf deiner Haut kitzeln? Hörst du die Insekten zwischen den Kieselsteinen summen? Mmmh, wen wirst du als erstes verspeisen?

Und auf dem Boden zwischen den Steinen: Welche anderen kleinen Tiere befinden sich noch dort? 

Wenn du Lust hast, mal dir deine eigene Eidechse mit einem Muster, das so noch keine andere hat.

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