Mufflon

Samira Belorf

Kinderspital Zentralschweiz

Bettenstation Kispi | 3. OG | Wand A

Schau mal – wer steht denn da und schaut sich an?

Auf dieser Wand begegnen dir zwei Mufflons, die kleinsten Wildschafe in Europa. Wenn sich die Türen öffnen und schliessen, siehst du, wie sich ihre Schraubenhörner fast berühren. Wie zwei Widder, die zum Kopfstoss-Kampf antreten – und genau das machen Mufflon-Männchen tatsächlich, aber nur zu einer bestimmten Zeit im Jahr.

Mufflons stammen ursprünglich von den Mittelmeerinseln Sardinien und Korsika. Vor langer Zeit wurden sie auf das europäische Festland gebracht – und so fanden sie schliesslich auch ihren Weg in die Schweiz. Im Jahr 1980, also vor etwas mehr als 40 Jahren, wanderte das erste Mufflon aus Frankreich ins Unterwallis ein. Heute leben in der Schweiz nur zwei Kolonien mit insgesamt etwa zweihundert Tieren.

Die berühmten Schraubenhörner tragen vor allem die Männchen, die man auch Widder nennt. Sie wachsen ein Leben lang weiter und können bei alten Tieren so lang werden, dass sie sich fast bis zur Schnauze winden – ausgestreckt bis zu achtzig Zentimeter. Die Weibchen haben dagegen nur sehr kleine Hörner von höchstens fünfzehn Zentimetern, die leicht nach hinten gebogen sind.

Mit ihren mächtigen Hörnern liefern sich die Widder in der Brunftzeit – der Paarungszeit zwischen Oktober und Dezember – beeindruckende Kopfstoss-Kämpfe. Dabei geht es darum, wer der stärkste Widder im Rudel ist und mit den Weibchen Nachwuchs zeugen darf: Stärkere Widder verteidigen ihr Rudel gegen schwächere und jüngere Männchen. So sieht der Kampf aus: Zwei Widder stellen sich gegenüber, nehmen kräftigen Anlauf, springen sich entgegen und knallen mit voller Wucht Stirn gegen Stirn – das laute Krachen ihrer Hörner ist manchmal kilometerweit zu hören. Ernsthaft verletzen können sie sich dabei zum Glück nicht: Ihre besonders dicken Schädelknochen wirken wie ein eingebauter Helm und fangen die Wucht des Aufpralls ab. Solche Kämpfe können zwischen zwei alten Widdern lange dauern; am Schluss zieht sich der Schwächere meistens zurück. Der Stärkere bleibt beim Rudel.

Mufflons leben in Herden, fühlen sich auf steinigem, felsigem Gelände am wohlsten und sind erstaunlich gute Kletterer. Sie ernähren sich von Gräsern, Kräutern und Knospen, ziehen sich bei Gefahr in höhere Lagen zurück und sind sehr scheu – Menschen begegnen ihnen meist nur aus grosser Distanz.

Aufgabe: 

Stell dir vor, du wärst ein Mufflon mit grossen Schraubenhörnern und könntest in den steilsten Bergen herumklettern. Wo würdest du am liebsten hingehen? Was würdest du den ganzen Tag tun? Den zwei Mufflons auf der Wand sieht man an, dass sie ganz eigene Persönlichkeiten haben – denk dir Namen für die beiden aus und erzähl ihre Geschichte.

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